Eröffnungskonzert

Jazz- und Bluestage verden


DANKE an den Weser-Kurier, Verdener Nachrichten, Susanne Ehrlich

https://www.weser-kurier.de/region/verdener-nachrichten_artikel,-von-einem-lachanfall-zum-naechsten-_arid,1770596.html

 

Lange schon war das Eröffnungskonzert der Jazz- und Bluestage ausverkauft. Kein Wunder, sind doch die Söhne Hamburgs in Verden beliebte Gäste, die sich dieses Mal besonders ins Zeug legten.

Von Anfang an vibrierende Spannung, nach 15 Minuten ein kochender Saal. Ob es daran lag, dass die Söhne Hamburgs hier so etwas wie ein Heimspiel hatten? Denn schließlich hat auch Verden seine Reeperbahn. Ste­fan Gwildis, Joja Wendt und Rolf Claus­sen jedenfalls genossen den leiden­schaftlichen Langzeitflirt mit dem Ver­dener Publikum in vollen Zügen und präsentierten sich in der ausverkauften Stadthalle in Höchst­form.

Die Best-Ager-Boyband um „Deutsch­lands Soul-Stimme Nr. 1“ ist musika­lisch und stilistisch so heterogen, dass jeder der Künstler sich mit seiner Gesamtpersönlichkeit einbringen kann. Und so stand Gwildis nicht wie im Jahr 2010 als Star im Vordergrund, sondern zeigte sich als humorvoller und inspirierender Team-Player, dazu als überraschend versierter Schlag­zeuger und Beat-Boxer.

Wenn man das überstrapazierte Wort „Tastenzauberer“ nur einmal be­nutzen dürfte, würde es Joja Wendt zustehen. Immer wieder hielt das Publikum die Luft an, wenn er seine Virtuosität in der obersten Oktave des Flügels explo­dieren ließ oder in rasanten Doppelläu­fen über die Klaviatur tobte. Witzig und irgendwie niedlich war Rolf Claussens Bass-Ukulele, die vielleicht nicht ganz so durchschlagskräftig war wie ihre erwachsenen Brüder, dafür aber viel mehr Spaß machte. Quirlig kreuzte er über die Bühne und begeisterte als Sän­ger, Gitarrist und Entertainer mit einem leisen, von hinten zündenden Humor. 

Intelligente und ziemlich verrückte Texte ließen das Publikum von einem Lachanfall in den nächsten taumeln. Nicht nur das hocherotische Liebeslied an die Fisch-Fachverkäuferin Kira Petersen im für Hamburg so typischen Salsa-Rhyth­mus zeigte, dass Hamburger alles andere als unterkühlt sind. Im Gegenteil: Mit ihrer Hamburg-Hymne „Moin, moin, moin, moin“, die sie sich selbst auf den Leib geschrieben haben, bewiesen die Drei von der Waterkant: „Wir sind pures Dynamit!“  

Und ziemlich frech waren sie auch. In seinem Song „Regennacht in Hamburg“ machte Gwildis das Publikum in den ersten Reihen mit einer oben an seinem aufgespannten Schirm befestigten, kräf­tig vor sich hintropfenden Wasserflasche ordentlich nass, und Claussen begründete seinen starken Damen-Verschleiß damit, dass er sie nun mal nicht von einander unterscheiden könne: „Für mich sind alle Frauen wie Chinesen!“ 

Dass Heavy Metal auch am Flügel geht, bewies Joja Wendt mit Thunderstruck von AC/DC und einer Klang-Explosion von atemberaubendem Groove. 

Zwischen Tastentaumel, Trommeln und Testosteron blieb dem Publikum keine Zeit zum Verschnaufen: Auch zwischen den ungewöhnlich abwechslungsreichen Songs von Blues und Bossa Nova bis Salsa und Soul kannten die drei Energiebolzen keine Gnade und attackierten die Lachtränen-Drüsen des Publikums mit unglaublich komischen Dialogen, tausend Neckereien und ganz und gar nicht jugendfreien Anspielungen. 

Dann wurden die drei Womanizer plötzlich sanft und zärtlich und widmeten den Frauen eine persönliche Ode. Dabei legte sich Gwildis so richtig in die Kurve, machte seinen Balzgesang zur augenzwinkernden Eigen-Parodie.

Immer wieder durfte das Publikum mitmachen: Schnipsen, klatschen, singen. Das machte riesig Spaß, und die Bodenbretter vibrierten im Takt dazu. Gwildis ernannte Verden kurzerhand zur „Stadt, in der statistisch am meisten geschunkelt wird“, und sofort ging es mit „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, Hans Albers' hamburgischer La-Paloma-Ver­sion und „My Bonnie is over the Ocean“ richtig ab. Von wegen kühler Norden: Gegen diesen begeisterten Chor aus fünfhundert Kehlen nebst Schunkelei zum Seekrankwerden dürfte die Wies'n ein Kindergeburtstag sein! Atemlos, leergelacht und glücklich trennten sich die Verdener Fans erst nach drei langen Zugaben von ihren gefeierten Idolen in den besten Jahren.